Ein dritter Mountain in Paris?

Der 3. Mountain für Paris der nie Realität wurde: Die Geschichte des Geysir Mountain
Das Disneyland Paris gilt seit seiner Eröffnung 1992 als einer der detailreichsten Disney-Parks weltweit. Besonders das Frontierland rund um die Goldgräberstadt Thunder Mesa besticht durch eine lückenlose, zusammenhängende Geschichte. Doch während Big Thunder Mountain und Space Mountain heute als Ikonen des Resorts glänzen, blieb ein drittes, monumentales Berg-Projekt auf den Zeichentischen der Imagineers zurück: Geysir Mountain.
Es ist die Geschichte einer visionären Attraktion, die das Frontierland vollendet hätte, aber letztlich an den harten wirtschaftlichen Realitäten der 1990er Jahre scheiterte.

Das Konzept: Yellowstone in Europa

Nachdem Space Mountain den Park 1995 aus einer schweren Finanzkrise gerettet hatte, wollten die Designer unter der Leitung von Legende Tony Baxter den Schwung nutzen. Im ungenutzten, nördlichen Teil des Frontierlands sollte ein neuer Blickfang entstehen.
Inspirationsquelle war die vulkanische Landschaft des amerikanischen Yellowstone-Nationalparks. Geplant war ein zerklüfteter, grau-brauner Berg aus porösem Vulkangestein, umgeben von kochenden Schlammtöpfen (Mud Pots), zischenden Dampfventilen und bunten Mineralablagerungen.
Die Hintergrundgeschichte fügte sich nahtlos in das Goldgräber-Thema ein: Ein exzentrischer Wissenschaftler hatte die geothermalen Kräfte des Berges angezapft und eine viktorianische Forschungsstation errichtet. Besucher sollten als Touristen eine Testfahrt in einem mechanischen Minen-Aufzug wagen.

Das Fahrsystem: Ein Prototyp des Schreckens

Das Besondere an Geysir Mountain war sein revolutionäres Fahrsystem. Es handelte sich um eine technologische Kreuzung, die Disney in dieser Form noch nie gebaut hatte:

  • Dark-Ride-Teil: Die Gäste fuhren horizontal in den Berg ein und passierten brodelnde Lavaströme und seismische Messgeräte, die wild ausschlugen.
  • Der Launch: Das Fahrzeug dockte in einem vertikalen Schaft im Inneren des Berges an. Statt eines klassischen Absturzes sollte das Fahrzeug durch die simulierte Kraft einer gewaltigen Wasserdampf-Eruption explosionsartig nach oben geschossen werden.
  • Der Drop: Am höchsten Punkt öffneten sich hölzerne Tore, die den Blick über das Frontierland freigaben, während unter den Gästen eine echte Wassersäule in den Himmel schoss. Nach einem Moment der Schwerelosigkeit stürzte der Aufzug im freien Fall zurück in die Tiefe.
    Geysir Mountain wäre der weltweit erste thematisierte, katapultierte Freifallturm in geschlossenen Räumen gewesen.

Warum das Projekt scheiterte

Dass wir die Attraktion heute nicht fahren können, liegt an einer Verkettung unglücklicher Umstände:

  1. Finanzielle Vorsicht: Das Trauma der immensen Schulden aus den Eröffnungsjahren saß tief. Das hochkomplexe Projekt mit massiven Fels- und Wassereffekten war dem Management schlicht zu teuer.
  2. Der zweite Park: Disney war vertraglich verpflichtet, bis 2002 einen zweiten Park zu bauen. Jeder verfügbare Cent floss in den Bau der finanziell abgespeckten Walt Disney Studios.
  3. Der Tower of Terror: Für die Studios wurde schließlich der Twilight Zone Tower of Terror genehmigt (Eröffnung 2007). Da dieser dasselbe vertikale Fahrsystem nutzte, strich man Geysir Mountain endgültig, um keine interne Konkurrenz zu schaffen.

Was vom Geysir übrig blieb

Auch wenn das Projekt starb, so überlebten Teile der Idee in anderen Disney-Parks: Der Vulkanausbruch in Journey to the Center of the Earth (Tokyo DisneySea) oder die Nationalpark-Ästhetik im Disney California Adventure tragen die DNA des Geysir Mountain in sich.
Im Disneyland Paris erinnern heute nur noch die oft trockengelegten Geyser Walkways am Flussufer an die große Vision eines dritten Berges, der niemals Realität wurde.

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