Es ist eine interessante Ironie der Freizeitpark-Geschichte: Ausgerechnet die Stadt der Liebe musste jahrelang als Standort für das halten, was viele Fans und Kritiker gleichermaßen als den schwächsten Disney-Park der Welt bezeichneten – die Walt Disney Studios.

Seit Anfang dieses Jahres trägt der Park nun den Namen Disney Adventure World, doch der Weg bis zu diesem Neuanfang war steinig und von einer langen Geschichte der Fehlentscheidungen geprägt.

Wer die Anfangsjahre miterlebt hat, weiß genau, wovon die Rede ist, wenn über den „schlechtesten“ Park gesprochen wird. Dabei muss man eines klarstellen: Die Idee für diesen zweiten Park entsprang keineswegs einem kreativen Höhenflug von Disney. Ganz im Gegenteil – das Unternehmen wollte die Studios anfangs gar nicht bauen. Es waren strenge vertragliche Verpflichtungen gegenüber dem französischen Staat, die den Bau erzwungen. Man könnte fast sagen, der Park wurde als ungeliebtes Pflichtprogramm konzipiert, und genau das spürte man an jeder Ecke.

Schon der Start war schwierig. Man darf nicht vergessen, dass Disneyland Paris selbst nie der spektakuläre Erfolg war, den sich der Konzern erhofft hatte. Die wirtschaftliche Lage war von Anfang an angespannt, was dazu führte, dass beim Bau des zweiten Parks massiv gespart wurde. Als die Tore 2002 öffneten, fanden die Besucher keine immersive Zauberwelt vor, sondern eine eher lieblose Ansammlung von Betonhallen und Asphaltflächen. Das Konzept hinter dem Park war ein Blick hinter die Kulissen der Filmwelt – ein „Backlot“, das die Magie der Produktion zeigen sollte. Das Problem dabei war nur: Die echte Magie von Disney lebt von der Immersion, davon, in eine andere Welt einzutauchen. In den frühen Studios stand man jedoch auf einem Parkplatz, der mit ein paar Requisiten aufgepeppt wurde.Man muss sich die Situation damals vor Augen halten: Der Besucher verließ den ersten Park und trat in eine Umgebung, die eher an ein Industriegebiet erinnerte. Die Gebäude sahen aus wie Lagerhallen, und statt einer durchgehenden Geschichte gab es nur lose, zusammenhangslose Filmthemen. Es fehlte das Herz, das Disney-Fans gewohnt waren. Alles wirkte flach, kurzlebig und schlichtweg uninspiriert.Dass der Park so lange diesen schlechten Ruf behielt, lag auch an der mageren Auswahl an Attraktionen. Anstatt auf die bewährten Klassiker zu setzen, versuchte man sich in Paris an einer Art „Show-Park“. Wer den Tag aber mit Schlange stehen für Bühnenshows verbringt, die nicht jeden Geschmack treffen, und dabei kaum die Möglichkeit hat, in eine Welt einzutauchen, verliert schnell die Begeisterung. Die Anordnung der Wege fühlte sich an wie eine Irrgarten-Konstruktion, die nirgendwohin führte.

Doch der Druck der Fans und die Notwendigkeit, den Standort Paris endlich profitabel zu machen, haben ein Umdenken erzwungen. Man hat verstanden, dass man die Gäste nicht mit Industrie-Optik locken kann. Die Transformation ist in vollem Gange. Der erste große Schritt in die Moderne war der Avengers Campus, der den Fans endlich die ersehnte Dichte und Themenqualität bot. Doch die echte Zeitenwende markiert das, was wir heute sehen: Die Erweiterung um den Bereich rund um Arendelle mit der Attraktion „Frozen Ever After“. Hier zeigt sich, wohin die Reise geht: weg vom lieblosen Studio-Gelände, hin zu einem echten, immersiven Erlebnisort.Warum war es also so lange der schlechteste Park? Weil Disney versuchte, in Paris ein Konzept zu verkaufen, das nur in einer sonnigen Film-Metropole Sinn ergibt, aber die europäische Erwartung an märchenhafte Welten komplett ignorierte. Es war ein architektonisches Missverständnis, das aus einem Vertrag heraus geboren wurde, nicht aus einer Leidenschaft.

Heute blicken wir auf diese Ära zurück, während sich das Bild der Disney Adventure World Stück für Stück wandelt. Es ist eine wertvolle Lektion für die Unterhaltungsindustrie: Man kann nicht einfach eine Attraktion in eine Halle stellen und hoffen, dass die Marke „Disney“ alles rettet. Gäste kommen für die Emotionen, für die Details und für das Gefühl, Teil eines Märchens zu sein. Die unrühmliche Bezeichnung als „schlechtester Park“ verblasst langsam, während wir gespannt darauf warten, ob der neue Name auch ein völlig neues Erlebnisversprechen einlösen kann. Der Grundstein ist gelegt, doch der Park hat noch einen weiten Weg vor sich, um die Last seiner frühen Jahre endgültig abzustreifen.

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